Porträt der Anna Neumann | © Schwarzenberg'sche Archive

Anna Neumann

Die Herrin von Murau

Murau ist geprägt von Mythen, Sagen und Geschichten, kleineren wie größeren. Die deutlichsten Spuren in der geschichtsträchtigen Stadt hat aber Anna Neumann hinterlassen: Lehensherrin, Wohltäterin und Stadtmutter all das war sie, und noch viel mehr. Sie legte den Grundstein für die Schwarzenberg'sche Herrschaft in Murau. Aber wie kam es, dass eine Kärntner Kaufmannstochter im 16. Jahrhundert so eine Karriere machen konnte, allen Widerständen zum Trotz?


Die Herrin von Murau

Anna Neumann zu Wasserleonburg wurde 1535 in Villach als Kaufmannstochter geboren. Noch als sie ein Baby war starb ihr Vater – der erste Mann, der sie zu früh verlassen hat. Fünf Ehemänner sollten folgen, nur der sechste überlebte sie.

Die vielen Ehen, die bis auf die erste alle kinderlos blieben, machten sie schon außergewöhnlich und sagenhaft. Das konnte doch nicht mit rechten Dingen zugehen? Wie kann eine Frau im 16. Jahrhundert fünf Ehemänner überleben? Das muss doch eine Hexe sein, die einen nach dem anderen vergiftet. Dem war aber nicht so, denn alle ihre Männer starben eines natürlichen Todes.

 

Anna und die Männer

Nachdem ihr erster Mann Hans Jakob Freiherr von Thannhausen nach nur drei Ehejahren aus dem Leben schied, verschlug es die junge Witwe ohne ihre zwei Töchter nach Murau, denn da heiratete sie Christoph II. von Liechtenstein. Die Liechtensteiner hatten bei der Kaufmannsfamilie Neumann große Schulden angehäuft. Durch die Heirat von Anna in die Familie Liechtenstein kam sie nun nach dem Tod ihres Gatten in den Besitz der Herrschaft Murau.

Anna Neumann war eine großartige Strategin und Wirtschafterin. Sie verlieh Geld und konnte so mit den Zinsen ihr schon stattliches Vermögen vergrößern. Sie war eine der außergewöhnlichsten Frauen ihrer Zeit. Sie kümmerte sich nicht nur um die Bedürftigen sondern war auch eine knallharte Geschäftsfrau. Ihr Erfolg rief auch immer wieder Neider auf den Plan, was ihr in weiterer Folge auch zwei Hexenprozesse bescherte, die sie aber überstand.

Nachdem ihr fünfter Ehemann starb, machte sie sich auf die Suche nach einem Erben, denn auch ihre beiden Töchter waren kinderlos vor ihr verschieden. Es war einer alleinstehenden Frau im 17. Jahrhundert nicht gestattet zu adoptieren. Also musste erneut ein Ehemann her. Sie fand einen passenden Erben in Georg Ludwig Graf zu Schwarzenberg, einem aufstrebenden jungen Diplomaten, der europaweit sowie auch mit dem Haus Habsburg gut vernetzt war. Er hatte alles worauf es damals ankam außer Vermögen. Somit war die Verbindung perfekt , die die 81-jährige Greisin mit dem 31-jährigen Grafen einging und immerhin sechs Jahre dauerte. Als Anna Neumann zu Wasserleonburg 1623 mit 87 Jahren für immer ihre Augen schloss, hinterließ sie ihrem jungen Gatten ein stattliches Vermögen, auf das die Familie Schwarzenberg ihren Reichtum in den darauffolgenden Jahrhunderten aufbauen konnte.

 

Annas Erbe

Selbst nach ihrem Tod sorgte Anna Neumann noch für ein Kuriosum, denn es war nicht so einfach die protestantische Herrin im katholischen Murau zu bestatten. Zuerst lag ihr Leichnam in der Elisabethkirche, doch sie wurde noch einmal in ihrer Ruhe gestört indem man ihr Grab öffnete. Im Jahre 1873, also gut 250 Jahre nach ihrem Tod, fand sie in der fürstlichen Familiengruft in der Kapuzinerkirche endlich ihre letzte Ruhestätte.

Eine protestantische Kaufmannstochter aus Villach hat die Stadt Murau vom 16. Jahrhundert bis heute geprägt: sechs Ehen ohne überlebende Nachkommen, zwei überstandene Hexenprozesse und ihr Geschäftssinn, der ihr unermesslichen Reichtum bescherte – Anna Neumann von Wasserleonburg sorgte wie keine Andere in und um Murau für Mythen und Geschichten. Die ganze Stadt ist geprägt von ihren Spuren: Das Schloss Murau, das ihr junger Witwer nach ihrem Dahinscheiden neu errichtete, die Elisabethkirche oder auch ihr Grabmal in der Familiengruft der Schwarzenbergs. Die Stadt hat ihrer Ahnherrin ein Denkmal gesetzt, das beim Handwerksmuseum besucht werden kann.