Schloss Murau | © Mediadome | Michael Hebenstreit

Fürstenfamilie Schwarzenberg

Murau und Schwarzenberg

Die Geschichte der Stadt Murau ist stark mit der des Adelsgeschlechts Schwarzenberg verbunden.


Beginn der Schwarzenberg'schen Herrschaft in Murau

Als Anna Neumann von Wasserleonburg im Jahre 1623 starb, hinterließ sie ihrem jungen Witwer Georg Ludwig Graf zu Schwarzenberg ein beträchtliches Vermögen samt Ländereien, auf das die Familie Schwarzenberg mitunter Ihre Erfolgsgeschichte weiter aufbauen konnte. Georg Ludwig wurde durch die Eheschließung mit Anna Neumann zum Erben und damit zu einem vermögenden Mann. Als erstes Zeichen dafür ließ der das heutige Wahrzeichen der Stadt Murau, das Schloss, neu errichten. Weitere Bauten entstanden in der Zeit Georg Ludwigs, das Elisabeth Spital sowie das Kapuzinerkloster gehen unter anderem auf seine Initiative zurück. Auch Georg Ludwig waren keine Erben vergönnt, beide Söhne aus seiner zweiten Ehe verstarben noch vor ihm. Also ging die Herrschaft an seinen Cousin aus der rheinischen Linie des Hauses Schwarzenberg, Graf Johann Adolf I. Ein Schicksal, das in der Familie Schwarzenberg immer wieder zutraf: gab es keinen direkten männlichen Erben, ging der Besitz an einen männlichen Verwandten über.

Richtig sesshaft wurden die Schwarzenberg in Murau vorerst noch nicht, nutzten sie doch das Domizil in erster Linie als Verwaltungseinheit der Ländereien. Die Mitglieder der Familie waren erfolgreiche Diplomaten, Geistliche oder Politiker in verantwortungsvollen Positionen, die am internationalen Parkett zu Hause waren und somit weniger Zeit in Murau verbringen konnten. Fürst Johann Adolf II., Bruder des Ministerpräsidenten Felix Fürst zu Schwarzenberg unter Kaiser Franz Josef, bescherte Murau nach einigen tristen Jahrzehnten wieder einen Aufschwung. Die Revolution im Jahre 1848 brachte einige Veränderungen im gesamten Reich mit sich, so auch in Murau. Die Verwaltungsreform bewirkte die Entstehung einer Bezirkshauptmannschaft in Murau, die 46 Gemeinden unter sich vereinte. Auch die Schwarzenberg'sche Eisenindustrie, die seit Mitte des 17. Jahrhunderts in und um Turrach bestand, erlebte zu Zeiten Johann Adolf II. durch Ausbau und Modernisierung eine neue Blütezeit.

 

Die Kriegsjahre

1918 kam die Wende für den Adel im österreichisch-ungarischen Reich, somit auch für die Familie Schwarzenberg. Der Großteil der Besitzungen der Familie befand sich im heutigen Tschechien, was sich allerdings nach dem Ende der Monarchie schlagartig änderte. Die Bodenreform zwang die Familie zu einem Rückzug aus vielen Ländereien, auch wenn man immer wieder versuchte, diese Gebiete zurück zu bekommen in Österreich und Murau war man davon noch nicht so stark betroffen. Nach Jahren der Neustrukturierungen kam mit 1938 ein weiterer Einschnitt: die Beschlagnahme und Zwangsverwaltung vieler Besitztümer durch die Machtergreifung der Nazis, dieses Mal auch in den Gebieten in Österreich, Böhmen und Franken. Familienoberhaupt DDr. Adolph Schwarzenberg und seine Frau Hilda mussten vor der Gestapo fliehen und schafften es bis nach Italien. Doch das war nur eine Zwischenstation, denn die beiden mussten in die USA emigrieren. Erst nach Kriegsende sollte Adolph wieder auf den europäischen Kontinent und nach Murau zurückkehren. Nun hieß es, zu retten was noch zu retten war.

 

Murau als Rückzugsort

Der Zeitpunkt war gekommen, als auch Murau und Umgebung zum Lebensmittelpunkt der Familie Schwarzenberg wurde. Man engagierte sich sehr in der Region, bemühte sich um den wirtschaftlichen Wiederaufbau nach den Kriegsjahren und ließ sich in Katsch nieder, da das Schloss Murau mit Wohnungen und Büros belegt war. Auch Adolph hatte keine eigenen Nachkommen, weshalb er sein Erbe an seinen Cousin Heinrich übergab. Dieser führte die wirtschaftlichen Bestrebungen Adolphs weiter. Heinrich hatte jedoch "nur" eine Tochter als Nachkommen, die nach bestehendem Hausgesetz die Nachfolge nicht antreten durfte. Also adoptierte dieser Karel Schwarzenberg, das heutige Familienoberhaupt, der sich mit seiner Frau Therese und den Kindern Johannes, Anna Carolina und Karl Philipp in Murau niederließ.

Seitdem ist die Familie Schwarzenberg wirtschaftlicher und auch gesellschaftlicher Teil in der Stadt Murau. Die politische Karriere von Karel Schwarzenberg, der unter anderem auch tschechischer Außenminister war, führte ihn in alle Teile der Erde. Jedoch blieb Murau und das Schloss bis heute für die Familie fortan ein wichtiger zentraler Ort, vor allem des familiären Rückzugs. Auch wenn man einen kleinen Teil des Schlosses bei Führungen erkunden kann, Murau war und ist das wirtschaftliche aber vor allem private Refugium der Familie Schwarzenberg. Das Vermögen und die Besitzungen wurden 1988 in eine Stiftung, die zum Teil in Murau verwaltet wird, umgewandelt, und sind so ein wichtiger Wirtschaftsfaktor in der Region.

Die Murauer sind stolz, wenn "ihr" Fürst in der Stadt ist, ersichtlich an der Fahne, die dann gehisst wird.